Der Blick in den Nachthimmel ist immer auch ein Blick in die Vergangenheit

Bild: NASA ESA Hubble

Im Jahr 1054 (vor 966 Jahren) explodierte im Sternbild Stier ein roter Riese mit einer Sternkollaps-Supernova. Der heute beobachtbare Krebsnebel mit einem Neutronenstern im Zentrum ist der Überrest dieser Supernova. Er befindet sich in einer Entfernung von 6300 Lichtjahren.

Formulierungen dieser Art findet man oft in Beschreibungen, sie sind aber nicht korrekt.

→ Beispiel für eine solche Beschreibung

Die korrekte Formulierung lautet wie folgt:

Vor 7266 Jahren (im Jahr 5246 v. Chr.) explodierte im Sternbild Stier in einer Entfernung von 6300 Lichtjahren ein roter Riese als Supernova. Die Ausbreitung des Lichts von dieser Supernova bis zur Erde dauerte 6300 Jahre. Wir sahen diese Supernova deshalb erst 6300 Jahr später aufleuchten, das heisst vor 966 Jahren im Jahr 1054. (Stand 2020)

Die hypothetischen Bewohner des Exoplaneten sehen an der Stelle an der wir den Krebsnebel sehen einen Stern im Stadium des roten Riesen. Dieser wird für sie erst in 34 Jahren in einer Supernova explodieren. (Stand 2020)

Die Masse des explodierten Vorläufersterns des Krebsnebels beträgt etwa zehn Sonnenmassen. Sterne mit zehn Sonnenmassen haben eine Lebensdauer von etwa 30 Millionen Jahren. Vor etwa 30 Millionen Jahren existierte deshalb weder der Krebsnebel noch sein Vorläuferstern.

Bild: NASA ESA Hubble

Die Spiralgalaxie M 74 befindet sich in einer Entfernung von etwa 34 Millionen Lichtjahren. Hypothetische Bewohner eines Exoplaneten in dieser Spiralgalaxie könnten an der Stelle an der wir den Krebsnebel beobachten, weder diesen Nebel noch den Vorläuferstern sehen können. Für sie existierten diese Objekte nicht.

Beteigeuze ist ein roter Überriese im Sternbild Orion. Er hat etwa den tausendfachen Durchmesser der Sonne und er wird sein Leben als Supernova in naher Zukunft beenden. Von der Erde aus gesehen, wird diese Supernova mit einer Helligkeit, die etwa derjenigen des Vollmondes entspricht, beobachtbar sein.

Da er sich in einer Entfernung von etwa 640 Lichtjahren befindet, könnte es durchaus sein, dass es den Stern Beteigeuze bereits seit zum Beispiel 500 Jahren nicht mehr gibt, das Licht der Supernova aber noch nicht auf der Erde angekommen ist.

All diese Fragestellungen werden im Lehrgang Astronomie, Astrophysik und Kosmologie an der Volkhochschule Zürich ausführlich besprochen.

 

Andi Stöckli bei VHS

Andi Stöckli

Nach dem Diplom als Elektroingenieur am Technikum Winterthur studierte Andi Stöckli Physik an der ETH Zürich und schloss das Studium 1979 ab. Im Folgejahr erwarb er den Befähigungsausweis für das höhere Lehramt an der ETH. 1992 wurde Andi Stöckli zum Hauptlehrer für Physik an der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene gewählt. Der passionierte Physiker veranschaulicht komplexe Sachverhalte sehr verständlich und begeistert das Publikum mit seiner Leidenschaft für Physik und insbesondere für Astrophysik, Astronomie und Kosmologie.

Anmeldung: Lehrgang «Astronomie, Astrophysik und Kosmologie»
Webseite: www.kosmologien.ch