Warum Wertschätzung und Empathie das gute Gespräch ausmachen

Wertschätzend und empathisch zu kommunizieren bedeutet, die andere Person mit ihren Werten anzunehmen, wie sie ist. Das fällt vielen dann besonders schwer, wenn sie anderer Meinung sind und wenn sie ihr Gegenüber davon überzeugen wollen, genauso so zu denken wie sie selbst.

Gelingt es ihnen jedoch, ihr Gegenüber in ihrem Sosein anzunehmen und seine Perspektive zu verstehen, schaffen sie eine Basis für ein gutes Gespräch:

Sie vermeiden Interpretationen, vorschnelle Deutungen und Urteile und achten und respektieren somit das Gegenüber.

An dieser Stelle äussern viele Bedenken und meinen, dass dies eine Pseudoharmonie sei, wenn für die eigene Meinung nicht mehr eingetreten werde und man sich dem Gegenüber völlig anpassen solle. Man könne doch nicht alle mit Samthandschuhen anfassen, Kritik zu äussern müsse doch noch möglich sein.

Sich auf die Gegenseite einzulassen bedeutet jedoch nicht, eigene Standpunkte und damit verbundene eigene Werte aufzugeben oder gar jemanden zu mögen.

Selbstverständlich ist Kritik möglich. Entscheidend ist allerdings, dass sich diese auf das Verhalten und beobachtbare Merkmale des Gegenübers bezieht und dass man darauf verzichtet, andere in irgendeiner Weise pauschal zu bewerten.

Andere Meinungen gelten zu lassen bedeutet auch, die Eigenverantwortung anderer anzuerkennen und deren Handlungsfreiheit nicht zu beschneiden.

Im Gespräch bedeutet dies die Bereitschaft, die Position des Gegenübers zu verstehen und nicht dessen Atempause dafür zu nutzen, das Zepter zu übernehmen und zu demonstrieren, dass die eigene Sicht richtig ist.

Beim empathischen Zuhören und Verstehen geht es darum, auf das Gehörte einzugehen und nachzufragen, wenn etwas zwischen den Zeilen angesprochen wird. Denn oft wird nicht das angesprochen, worum es genau geht. Die Gründe hierzu sind vielfältig, am bemerkenswertesten ist derjenige, dass viele selten gelernt haben, ihre Bedürfnisse und Gefühle zu kommunizieren. Stattdessen reden sie um den heissen Brei herum oder lassen Dinge aus, wobei sie dennoch davon ausgehen, verstanden zu werden. Sie schliessen von sich auf andere und kommen gar nicht auf die Idee, dass andere das ganz anders sehen könnten.

Statt hervorzupreschen und andere mit Tipps, Ratschlägen oder Bewertungen zuzutexten, sagen wir in eigenen Worten, was wir verstanden haben oder teilen mit, welches Bedürfnis oder Gefühl wir vermuten.

Sagt jemand zum Beispiel:

«Bei uns ziehen sich die Prozesse immer in die Länge. Die Konkurrenz ist immer einen Schritt weiter»

fragen wir:

«Befürchten Sie, dass wir zu keinem Ende kommen und dass wir der Konkurrenz hinterherrennen?»

 

Sagt jemand:

«Ich tue so viel für meine Mitarbeiter/innen, trotzdem sind sie undankbar und behandeln mich respektlos»

fragen wir:

«Befürchten Sie, dass Ihren Mitarbeitern/innen nicht auffällt, was Sie alles für sie tun?»

oder

«Sind Sie besorgt, nicht zu wissen, wie Sie sich bei Ihren Mitarbeitern/innen Respekt verschaffen können?»

 

Erfährt unser Gegenüber auf diese Art Empathie und Wertschätzung, ist es eher bereit, sich auch uns gegenüber entsprechend zu verhalten.

Das Gespräch erhält so eine andere Qualität, bei dem es nicht um einen Wettstreit, sondern um den konstruktiven Austausch auf Augenhöhe geht.

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Vera Stavemann bei VHS

Vera Stavemann

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Sie arbeitet mit kognitiven Interventionsstrategien, der Systemlehre und der gewaltfreien Kommunikation.