Kurze Stücke

Szenisches Schreiben  –
Lehrgang «Literarisches Schreiben»

Schreiben ist eine Kunst, aber auch ein Handwerk. Der Lehrgang «Literarisches Schreiben» setzt auf eine schriftstellerische Ausbildung, die beides berücksichtigt. In vier sorgfältig aufgebauten Modulen werden verschiedene literarische Formen und Genres erprobt. Eines der Module widmet sich ganz dem Szenischen Schreiben. Einen Einblick geben eine Auswahl der kurzen Stücke, die während vier Samstagen im aktuellen Lehrgang unter der Leitung von Viola Rohner entstanden sind.

In einem längeren Prozess ging es darum, drei eigene Figuren zu finden, sie zu vertiefen und sie in einer möglichst konfliktreiche Grundsituation agieren zu lassen. Entstanden sind 14 aufrührende kurze Stücke. Am 28. März wären sie von jungen Schauspielstudierenden der ZHdK in einer szenischen Lesung präsentiert worden. Wegen Corona musste der Anlass verschoben werden. Einige der Stücke sind aber nun hier zu lesen.

EINGEBRANNT

von Regula Granwahr

Oliver und Johanna sind ein Paar. Oliver und Milena haben eine Affaire. Eines Tages möchte Milena ihrer Schwester Johanna die Wahrheit sagen, weil es auch um deren Gesundheit geht. Aber Oliver wehrt sich.

Szene I – Spiegelbilder

Mittags im Hotelzimmer

Milena steht im Bad vor dem Spiegel, ordnet die Haare. Oliver lehnt am Türrahmen zum Bad und scrollt auf sein Handy.

Oliver: Beachtlich war’s.
Und jetzt mach mal hinne. Ich will alleine sein.

Milli: Aber selbstverständlich.

Oliver: Wann kommst du wieder?

Milli: Wann immer Durchlaucht wünscht, den Beischlaf zu vollziehen.

Oliver: Donnerstag über Mittag?

Milli: Gerne Majestät. verbiegt sich tief vor Oliver

Oliver: Sag mal, spinnst du jetzt?

Milli: Verzeih der Herr – weibliche Hysterie/

Oliver: Tu mal bitte wieder normal. Ja?

Milli: Kannste haben: Tschüss du Klapp-Spaten. Nimmt ihre Tasche und geht zur Tür

Oliver: Milli. Versöhnlich hinterher rufend

Milli: Milli. Äfft ihn nach.

(…)

Möchten Sie das ganze Stück lesen?

Regula Granwahr

 1978 in Zürich geboren und in der Ostschweiz aufgewachsen, bezeichnet ihr Leben gerne als «ernsthaft verspielt sein».

 

Viola Rohner

Viola Rohner

(*1962) studierte Germanistik und Geschichte. Sie ist Leiterin des Lehrgangs «Literarisches Schreiben» an der Volkshochschule Zürich und arbeitet als Gymnasiallehrerin an der Kantonsschule Baden. Sie schreibt Prosa und Theaterstücke für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Zuletzt erschienen: 42 Grad, Erzählungen, Lenos Verlag Basel 2018. www.violarohner.ch