Türk yemeklerini seviyorum!

Ein Beitrag von Stephan Sievers

Ja, ich liebe die türkische Küche, und seit ich sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit geniesse, weiss ich, quasi aus dem Bauch heraus: Die Türken müssen gute Menschen sein! Wer es schafft, aus einfachsten Zutaten der anatolischen Volksküche mit Hilfe von Liebe, Geduld und feinen Gewürzen ein so delikates Universum von Leibspeisen zu schaffen, muss, ich wiederhole es, ein guter Mensch sein!


Stephan Sievers mit Hatice Mercan

Wie zum Beispiel Hatice Mercan: Was die sympathische Köchin (und Chefin!) vom Landrestaurant Bizim Ev bei Ephesos in Kleinasien jeden Tag mit Hilfe von Ehemann und Küchencrew in die Casserolen zaubert, entzieht sich jeder Beschreibung: die Düfte, die Konsistenz, das delikat ölige Leuchten von frisch geernteten Bohnen und Okraschoten im Lammschmortopf mit schmelzenden Karotten und Artischocken als Gedicht über Köfteröllchen im Auberginentraum und schliesslich Trilice, ein in üppig vergossener Mandelmilch schlafendens Gebäck als butterweiche Manifestation vom Paradies auf Erden. Dann, beim alles besiegelnden Çay oder Kahve weiss man, spürt man, innen wie aussen und jenseits aller sonstigen Erwägungen: Hier ist das Glück zuhause. Wenigstens jeden Tag ein bisschen – Afiyet olsun!

Die Seele will sich spiegeln: Anatolien I

Ishak Pasha Palast ©Stephan Sievers

Fotografie wird als Kunst dann erlebbar, wenn der zum Bild gewordene Weltausschnitt unmittelbar auf die Seele Eindruck macht, beim Künstler vor der 100stel Sekunde, beim Betrachter auf ewig danach: Da ist der Ishak Pasha Palast im Osten der Türkei, dem Ararat und Armenien ganz nah und doch vollkommen für sich, Trostheim und Schaltzentrale zugleich eines Grosswesirs namens Ishak, im 18. Jh. ins Wüste gebaut, am Rande der osmanischen Welt nach Osten und Spiegel der Seele aller Beteiligten, auch unserer, wenn wir ihn betrachten mit Bewegung im Herzen.

Festsaal ©Stephan Sievers

Hinter den Mauern ist vor dem Vergangenen: Festsaal, Küche, Hamam, Bibliothek und die Moschee, alles wie gerade erst verlassen und bereit, Bühne unserer Phantasie zu sein: Haremlik versus Selamlik, dies für die Gäste und die Feier, jenes für den Herrscher und seinesgleichen. Und plötzlich, nur für Sekunden, geistert Ishaks Melancholie durchs Gemäuer: Das musst du festhalten, auch wenn es nie geschehen ist, damit ein Spiegel bleibt von einst und Unsterblichkeit.

Innenhof

Moschee